Als Dr. Alfred Pischinger 1953 das System der Grundregulation entwickelte, ahnte er sicher noch nicht, dass er bis heute den wichtigsten Erklärungsansatz zum Thema Säure-Basen-Gleichgewicht liefern sollte. Dabei war er seiner Zeit mit Sicherheit noch einiges voraus, denn in der 50er Jahren, mitten im wirtschaftlichen Aufschwung, war Übersäuerung vermutlich noch kaum ein Thema. Man begann gerade erst mit dem Ernährungswahnsinn. Fertigprodukte steckten noch in den Kinderschuhen, noch wurde frisch gekocht. Dennoch dürfte er geahnt haben, worauf wir zusteuern und beschäftigte sich mit dem wichtigsten unserer Säfte, dem Blut. Er war der Meinung, dass alle Krankheiten über das Blut entstehen, da es über seine vielen Kanäle Ausbreitungsweg für Giftstoffe sei. Dreh- und Angelpunkt seiner Theorie war der ph-Wert von Blut und Gefäßen.

Er skizzierte in diesem Zusammenhang folgende Zeichnung, die auch heute noch zur Veranschaulichung verwendet wird:

Das System der Grundregulation nach Alfred Pischinger

 Wie kommt es zur Übersäuerung? 

Man erkennt in Pischingers Grafik  einige wichtige Grundlagen, um die Thematik der Übersäuerung zu verstehen:

  1. Um Nährstoffe zur Zelle zu transportieren und Gift- und Abfallstoffe (inkl. freigesetzter Fettsäuren) abzutransportieren, gibt es Zu- und Ableitungen: die Arterien und Lymphbahnen.
  2. Weder Arterien noch Lymphsystem docken unmittelbar an der Zelle an. Die Nähr- und Abfallstoffe müssen vielmehr durch einen extrazellulären Bereich hindurch, den wir allgemeinhin auch als Bindegewebe bezeichnen.

Soweit so gut. Der Weg der Nährstoffe durch das Bindegewebe hindurch ist in der Regel auch kein Problem, solang dieser Bereich gut durchlässig und nicht verstopft ist. Nun stellt sich die Frage: kann dieser Bereich verstopfen und wenn ja, wie?

Machen wir einen Sprung und sehen uns wieder das Blut und dessen Konsistenz, im Speziellen den ph-Wert an. Dieser ist ein Maß für den sauren oder basischen Charakter einer wässrigen Lösung. Der ph-Wert des Blutes MUSS immer leicht basisch sein und genau zwischen 7,35 und 7,45 liegen. (Kurze Wiederholung Chemieunterricht: Lösungen mit einem ph-Wert zwischen 0 und 7 werden als sauer bezeichnet, bei einem ph-Wert von 7-14 spricht man von einer basischen Lösung. Ein ph-Wert von 7 ist quasi neutral).

Würde der ph-Wert des Blutes diesen schmalen Korridor verlassen, hätte das den sofortigen Tod zur Folge. Nachdem unser Körper ein wirklich cleveres Kerlchen ist, hat er solchen Risiken ein ausgeklügeltes Puffersystem vorgeschaltet. Über mehrere Kanäle kann eine Übersäuerung quasi abgefangen werden. Das heißt: das Blut kann (zumindest zu Lebzeiten) niemals übersäuert sein!

Bevor wir uns diese Kanäle näher ansehen, werfen wir einen Blick darauf, wie es überhaupt zu einer sog. Übersäuerung kommen kann.

 

Was passiert bei Übersäuerung ?

Die Gründe sind recht vielschichtig und haben mit der Ernährung viel zu tun, aber eben nicht ausschließlich. Daher kann es durchaus sein, dass Personen, die sich eigentlich recht gesund ernähren, trotzdem mit Übersäuerungsproblemen zu kämpfen haben.

  1. Fertigprodukte

Man darf Fertig- oder sagen wir Convenienceprodukte heute nicht mehr alle in einen Topf werfen, denn es gibt inzwischen durchaus hochwertige und nährstoffreiche Lösungen aus der Packung, die zumindest einen gewissen Frischegrad aufweisen. Bedenklich sind vor allem Produkte, in denen zahlreiche Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker oder Zucker stecken. Als kleine Faustregel kann man sich merken: je länger ein Produkt aus der Packung haltbar ist, desto verdächtiger.

 

  1. Produkte mit viel Zucker, Weißmehl, Transfettsäuren, Arachidonsäure, etc.

Zucker und Weißmehl sind sicherlich mit die größten Übeltäter, wenn es um Übersäuerung geht. Je raffinierter, desto schlechter. Es gibt leider noch zu wenig Zahlen, wie sich z.B. Kokosblütenzucker oder Agavendicksaft auf die Übersäuerung auswirken.

Oft vernachlässigt wird der Blick auf die sogenannte Arachidonsäure. Diese Omega-6 Säure ist zum Beispiel in Schweinefleisch oder Weichkäse, aber auch in einigen Ölsorten (z.B. Distelöl) enthalten. Neben der ungünstigen Wirkung auf unser Säure-Basen-Gleichgewicht fördert sie Entzündungen. Gerade Sportler sollten hier wachsam sein!

 

  1. Zu viel tierische Eiweiß

Jetzt wird es ernährungstechnisch gesehen spannend. Eiweiß ist ja eigentlich was Gutes. Der wichtigste Baustoff der Zellen, unerlässlich für die Bildung von Muskulatur, essentiell um dem Jo-Jo-Effekt vorzubeugen. Doch wie so oft, gibt es von jeder Medaille zwei Seiten. Eiweiß wird nämlich sauer verstoffwechselt. Dies gilt vor allem für Proteine, die reich an den säurebildenden Aminosäuren Methionin und Cystein sind. Es entstehen bei der Verstoffwechslung vor allem Harn- und Schwefelsäure. (Hier erkennt man einen wirklichen Vorteil von der vegetarischen Lebensweise: man isst in der Regel wesentlich basischer als Allesesser. )

Wann wird der Eiweißkonsum nun zum Übersäuerungsproblem? Vor allem dann, wenn man viele Eiweißsorten innerhalb einer Mahlzeit kombiniert!! Hinsichtlich des Säure-Basen-Gleichgewichts wäre demnach ein Grillteller (Rind, Huhn, Schwein, etc.) der ernährungstechnische Supergau.

  1. Zu wenig Vitalstoffe

Basenbildende Lebensmittel finden wir vor allem in der vitalstoffreichen Obst- und Gemüsewelt. Jeder Gemüseverweigerer wird daher unweigerlich hier ein Ungleichgewicht entwickeln. Besonders wichtig sind die basischen Mineralien Magnesium, Calcium, Kalium und Natrium. Denn genau diese verbraucht der Körper, wenn er überschüssige Säuren puffern muss. Im Zweifel holt sich der Körper diese Mineralstoffe aus Knochen, Muskulatur oder Haut. Die Folge ist klar: bruchanfällige Knochen, Muskelabbau bzw. -probleme, schlecht versorgte und daher fahle Haut, usw.
Aber auch alles Grünzeug, allen voran Wildkräuter und Sprossen sind tolle Basenlieferanten!

 

  1. Hektisches und gestresstes Essen

Eigentlich müsste dieser Punkt gleich an erster Stelle stehen. Essen im Gehen, Essen am Schreibtisch mit der Aufmerksamkeit bei Facebook statt beim Kauen, Essen nach einem stressigen Meeting, ….

Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Denn wann isst man schon so richtig bewusst, nimmt jeden Bissen wahr und erfreut sich am Geschmack? Diese Situationen sind oft rar gesät, obwohl sie für die Körperbalance so wichtig wären. (Ich bin daher kein ausgesprochener Freund von Dinner Cancelling. Wann, wenn nicht am Abend, können wir eine Mahlzeit entspannt genießen?)

 

  1. Stress im Allgemeinen

Stress ist der größte Gesundheitskiller überhaupt. Das gilt auch für die Säure-Basen-Balance im Körper. Gerade emotionale Belastungen im Beruf, aber auch im Familiensystem wirken sich dramatisch auf den Körper aus. Damit oft einhergehende Schlafstörungen tragen ihr Übriges zum Dilemma bei.

 

  1. Zu intensiver Sport

Leichtes Ausdauertraining wirkt als positiver Puffer und verbessert die Säure-Basen-Balance. Bei intensivem Training ist das genau umgekehrt. Es entstehen verstärkt Säuren, wie z.B. die Laktatsäure, Essig- oder Harnsäure.

 Wer an dieser Stelle das Ganze nochmal erklärt haben möchte, der klickt einfach auf mein Video

auf meinen You-Tube Kanal ConnyPure: 

 

Puffern und Einlagern

Sieht man sich die Liste an, versteht man, warum Übersäuerung eines der zentralen Gesundheitsthemen unserer Zeit ist: man kommt dem einfach nicht oder nur sehr selten aus.

Um zu verstehen, wieso das zum Problem wird, kommen wir auf unser System der Grundregulation zurück:

Nochmal zur Wiederholung: das Blut muss unbedingt basisch bleiben. Ist dieses Gleichgewicht aufgrund der oben genannten Gründe gefährdet, treten folgende Puffersysteme in Aktion:

  1. Darm

  2. Niere

  3. Haut

  4. Lunge

  5. Bindegewebe

Darm, Niere, Haut und Lunge sorgen dabei für einen Abtransport von überschüssigen Säuren. Daher soll man viel (Wasser) trinken, sich um eine gute Verdauung kümmern, leichten Ausdauersport betreiben und ab und zu ein Basenbad nehmen oder in die Sauna gehen.

Alles, was dann noch an Säuren übrig bleibt, kann der Körper im Bindegewebe deponieren. Dieses dient quasi als kleine Säure-Müllhalde. Diese Säure-Ablagerungen werden allgemeinhin auch oft als Schlacken bezeichnet. Jetzt versteht man auch, wie es zu einer Verstopfung des Bindegewebes kommen kann. Wenn zu viele Müllhalden da sind, können die Nährstoffe nicht mehr ordentlich zur Zelle gelangen und die Abfallstoffe nicht mehr ordentlich abtransportiert werden. Das kann einerseits zu Krankheiten führen, aber zum Beispiel auch das Abnehmen dramatisch erschweren: die (freigesetzten) Fettsäuren können dann quasi einfach nicht raus.

Wenn bei der nächsten Diät über Tage und Wochen einfach nichts weitergehen will, sollte man diesbezüglich wachsam werden und mal einen Blick auf den eigenen Säure-Basen-Haushalt werfen. Auch Sportler bekommen einen Säureüberschuss in Form von Leistungseinbußen zu spüren. Bei Muskelkater spielen Säuren eine nicht unwesentliche Rolle. Muskelkater entsteht durch Mikroverletzungen, quasi feine Risse in der Muskulatur. Erst durch die Einlagerung von Säuren in die kollagenen Fasern der Muskulatur verlieren diese ihre Stabilität und Elastizität und können reißen. Hier gilt: je regelmäßiger der Sport ausgeübt wird, desto geringer die Säurebelastung.

 

Folgen der Übersäuerung

Übergewicht, Leistungseinbußen, Immunschwäche sind schon genannt. Doch die Liste der möglichen Folgen eines gestörten Säure-Basen-Haushalts geht noch weiter. Im Zuge des Pufferprozesses muss der Körper überschüssige Säuren neutralisieren. Dafür benötigt er jede Menge basischer Mineralstoffe, die der Körper kurzerhand an anderen Stellen abzieht: aus Haut, Haaren, Nägeln, Zähnen, Sehnen, Bändern, Knochen oder Knorpeln. Damit steigt nicht nur das Verletzungsrisiko, sondern auch, im wahrsten Sinne des Wortes, der körperliche Zerfall: brüchige Nägel, fahle und faltige Haut, Cellulite, usw.

 

Besonders gefährdet: der unvernünftige Sportler

Sportler, die intensiv trainieren ohne sich um eine basenbildende Ernährung zu kümmern laufen besonders Gefahr ihren Körper seiner Mineralien zu berauben und nachhaltige Schäden zu riskieren.

Coming next:

In meinem nächsten Artikel, der in wenigen Tagen erscheint schreibe ich über die Maßnahmen bei Übersäuerung. Am besten dranbleiben 🙂 !

Falls Ihr Infos zu guten Basen-Präparaten braucht, empfehle ich Euch auch die Pure life Website!

Früher dachte ich, man müsse an so ganz spezielle Plätze fahren um gute Kräuter zu sammeln und bin sogar mit dem Auto losgezogen. Alles Quatsch. In Salzburg kann fast jeder einen guten Sammelplatz per Rad erreichen. Natürlich kenne ich nicht alle Plätze und bin für Tipps immer froh. Aber Moment mal: Sollte man seine persönlichen Geheimtipps überhaupt verraten? Aber klar doch, denn es ist genügend für alle da.

Aigner Wald

Bärlauch wohin das Auge reicht. Da bewegt man sich ein paar Meter von Weg und Straße weg und kann auch schon loslegen mit dem Sammeln. Quasi der ganze Fuß des Gaisbergs ist voll davon. Trotzdem sollte man nicht übermütig werden und bei jedem Blatt genau prüfen, ob sich nicht doch ein Fremdkörper (sprich Maiglöckchen oder Herbstzeitlose) dazwischen geschummelt hat.

Wiesen rund um Aigner Camping Platz

Konkret meine ich den Bereich zwischen Kirche und Campingplatz. Da findet man so ziemlich alles, was gern auf der Wiese wächst: Schafgarbe, Spitzwegerich, jede Menge Wiesenschaumkraut, Löwenzahn, Wiesenbärenklau, Sauerampfer und sogar Frauenmantel. Auch hier gilt wieder: nicht ganz am Rand der Straße sammeln, sondern ein bisschen rein in die Wiesen.

St. Virgil

Hier habe ich mein YouTube Video zur Kräuterwanderung gedreht. Der Garten von St. Virgil hat schon was von Kräuterschaugarten. Hier findet man vor allem Kräuter, die es schattig mögen und das alles im Umkreis von ein paar Metern: Giersch, Gundelrebe (wächst auch in der Wiese, aber kleiner), Bärlauch, Scharbockskraut und sogar die Knoblauchrauke oder das Bittere Schaumkraut (nennt man auch falsche Brunnenkresse) sind hier vertreten. Zum Lernen der Kräuter ein Spitzenplatz! Nicht ganz am Rand sammeln, da auch hier immer wieder Hunde am Weg sind!

Gaisberg

Hier fahr ich rauf (oft mit dem Rad, aber manchmal dann eben doch mit dem Auto), wenn unten die Pflanzen schon größer geworden sind. Denn je höher man kommt, desto mehr ist die Vegetation „hinten“. Am liebsten wandere ich die Wiesen rechts von der Kreuzung nach Elsbethen / Mitteregg ab. Da kann man sich erst in den Wiesen, später im Wald austoben.

> zu mehr Tipps zum Sammeln geht’s hier

Morzger Wald

Hier bin ich früher öfter unterwegs gewesen, weil Wald und Wiese nah beisammen liegen. Auf jeden Fall kein schlechter Platz zum Sammeln, wenn auch nicht mein Favourite.

Beim Sammeln sollte man auch immer einen Blick darauf werfen, ob die Wiesen gedüngt werden oder nicht. Je natürlicher die Pflanzen ihrem Wachstumstrieb frönen können, desto besser.

Viel Spaß beim Sammeln. Ich freu mich auf Eure Tipps für gute Plätze!

Hier gibt’s noch mehr Artikel zum Thema Wildkräuter!

> Meine Top 10 Wildkräuter
> Wildkräuter – die grünen Stars in der gesunden Küche

 

Zum Schluss habe ich für euch noch mein Lieblingsrezept für leckeres Wildkräuter-Pesto!

Gleich einmal vorneweg. Man sammelt prinzipiell nur, was man kennt. Zumindest wenn man die Absicht hat, die Pflanze auch zu essen. Das heißt, man sollte sich mit den wichtigsten Merkmalen der Wildkräuter auseinander setzen: Aussehen, Haptik, Duft, etc.

An Kräuterwanderungen teilnehmen
Es gibt zwar jede Menge Bücher, die zum Teil auch gut bebildert sind, aber ich möchte niemals die Erfahrungen missen, die ich in diversen Kräuterwanderungen oder –kursen gesammelt habe. Ein Bild kann niemals den Live-Anblick einer Pflanze ersetzen. Ich fotografiere selbst wahnsinnig gern und stelle immer wieder fest, dass der Charakter einer Pflanze auch bei guten Fotografien nie ganz erfasst wird. Es fehlen einfach wichtige Aspekte: wie verhält sich die Pflanze in Bewegung, wie greift sie sich an, wie riecht sie, usw. Manchmal sind wichtige Unterscheidungsmerkmale sehr klein, wie z.B. der dreieckige Stängel des Gierschs.

Experten erklären jedes Detail der Pflanze

Kräuterwanderungen zahlen sich aus

 

 

 

 

 

 

 

Da hat man einfach ein besseres Gefühl, wenn die Infos direkt von einem Experten kommen. Oft bieten Almhüttenbetreiber oder Köche Kräuterwanderungen an. Ich hab mich zum Beispiel mal für zwei Tage in eine Ausbildung zum Kräuterpädagogen eingeklinkt. Oder man fragt einfach eine versierte Freundin oder Bekannte, ob man mal mitgehen darf.

 

Veränderungen innerhalb der Wachstumsperioden
Erschwerend für das richtige Erkennen kommt hinzu, dass sich die Pflanze permanent verändert. Gerade die jungen Pflänzchen ohne Blüte sind nicht immer leicht zuordenbar. Es hat mich Jahre der Beobachtung gekostet, bis ich jede Wachstumsphase der Pflanzen so richtig intus hatte. Es lohnt sich also permanent die Augen offen zu halten. Sei es beim Spazierengehen, Rad fahren oder joggen. Dabei wird auch der Blick für gute Standorte geschult. Irgendwann weiß man dann, wo was wächst und worauf man schauen muss.

 

Beim Scharbockskraut ist die Blüte giftig

Warum ist das eindeutige Erkennen wichtig?
No na, weil es natürlich auch giftige gibt. Bärlauch wird gern mit dem giftigen Maiglöckchen oder der Herbstzeitlose verwechselt, der Giersch gehört zu der Gattung der Doldenblütler und davon gibt es ganz viele, die toxisch wirken. Und bei manchen Wildpflanzen ist zwar das Blatt genießbar, aber die Blüte giftig, wie z.B. beim Scharbockskraut. Und tatsächlich können Verwechslungen verhängnisvolle, wenn nicht sogar tödlich Folgen haben. Also: im Zweifel das wilde Grün lieber mal stehen lassen oder den Experten zu Rate ziehen.

 

 

Erst mit wenigen anfangen
Ich habe mich anfangs auf einige wenige Pflanzen beschränkt und erst einmal diese gut zu unterscheiden gelernt: mit Löwenzahn, Spitzwegerich oder Gundelrebe ist man schnell dabei. Dann der Giersch und die junge Schafgarbe, usw. Neugierig geworden? Dann empfehle ich meinen Artikel zu meinen Top10 Wildkräuter.

 

Wo sollte ich sammeln und wo nicht?

Giersch mag’s schattig und wuchert oft im Garten

Generell hat jede Pflanze ihren Lieblingsplatz. Manche mögen es schattig, andere sonnig. Viele der Wildpflanzen wachsen auch im Garten und werden als Unkraut verflucht, bekämpft und ausgerissen. (Der Schuss kann übrigens auch mal nach hinten losgehen, wie beim Giersch, der sich vermehrt je mehr man ihm Herr werden will). Wer im Garten sammelt, sollte darauf achten nur ungedüngte Plätze zu wählen (und natürlich weit weg von jeglichen Unkrautvernichtern, Schneckenkorn, usw.)

Pflanzen, die gleich neben der Straße wachsen (wie es z.B. bei uns die Knoblauchsrauke gerne macht) sind tabu, denn die Pflänzchen fungieren nicht selten als natürlicher Schadstofffilter. Auch die Ränder von Spazierwegen lasse ich außen vor, da diese Plätze gern als Hundeklo herhalten müssen.

 

Im Zweifeln den Eigentümer fragen
Also wenn man es genau nimmt, müsste man immer den Eigentümer der jeweiligen Wiesen fragen, ob man sammeln darf. Zugegebenermaßen ist der Eigentümer erstens nicht immer ersichtlich und zweitens bin ich nicht sicher, wie erpicht die Bauern drauf sind, wenn alle Daumen lang jemand läutet um zu fragen, ob man ein paar Blätter Löwenzahn pflücken darf. Daher suche ich mir zum Pflücken frei zugängliche Wiesen und hoffe drauf, dass der Bauer nichts dagegen hat. Ich denke da kommt es ganz drauf an, wie man sich verhält. Wenn man mit einer ganzen Schulgruppe anrückt, die alles niedertrampelt oder man mit dem Rad quer durch die Wiese fährt, wäre ich als Eigentümer sicher auch nicht so begeistert. Daher: ein rücksichtsvolles Verhalten gegenüber Mensch und Natur ist angesagt.

 

Je höher desto später
Manchmal kann es ja auch sein, dass man die besten Wochen verpennt und entweder die Bauern schon die ersten Wiesen wieder nieder gemäht haben oder die Pflänzchen schlichtweg schon zu groß sind um sie z.B. im Wildkräutersalat zu verwenden. Dann begibt man sich einfach in die Höhe, also auf größere Hügel, kleine Berge oder einfach innergebirg (so nennen die Österreicher es, wenn man quasi in die Berge reinfährt…). Denn je weiter oben, desto später die Vegetation. Ansonsten ist Mitte April bis Mitte Mai perfekt fürs Sammeln, je nach Witterung mal eine Woche früher, mal später.

 

Mit Maß und Ziel
Das versteht sich von selbst. Ich sammle nur, was ich brauche und grase nicht alles wie wild ab. Gerade, wenn bestimmte Kräuter in meiner Gegens rar gesät sind, lasse ich Rücksicht walten und dem nächsten auch noch was über. Und natürlich pflücke oder schneide ich und reiße die Pflanze nicht mit der Wurzel aus.

Plastiksackerl sticht Körberl aus
Natürlich würde es sich optisch wunderschön machen, wenn man mit einem malerischen Korb bewaffnet über die Wiesen zieht. Doch diesmal ist das Plastiksackerl oder der Gefrierbeutel das Aufbewahrungsmittel der Wahl. Gleich nach dem Pflücken rein in den Beutel, immer schöne geschlossen halten und Zuhause gleich in den Kühlschrank. Dann halten sich die Wildkräuter auch einige Tage lang frisch.

 

Praxistipp:
Je ordentlicher man beim Pflücken ist, desto mehr Zeit spart man sich in der Küche. Bei meinen ersten Sammelausflügen wanderten jede Menge Grashalme mit in das Sackerl. Später beim Kochen, kostete mich das nervig viel Zeit die Fremdkörper wieder zu entfernen. Inzwischen bin ich viel umsichtiger schon beim Pflücken geworden. Früher habe ich mal Pflänzchen genommen, wo ich mir nicht so ganz sicher war. Da wollte ich dann Zuhause im Buch nachsehen. Wer derartige Fallstudien vorhat, dem empfehle ich ein separates Sackerl für die Kategorie „noch mal nachprüfen“.

Hier könnt Ihr noch ein Video zum Thema ansehen!

 

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Irgendwann hat jeder so seine Lieblingskräuter. Andere mag man wieder gar nicht. Ich lass zum Beispiel die Finger von Brennessel. Die hat mich einfach zu oft geärgert. Ich würde sagen, da passt die Wellenlänge zwischen uns einfach nicht. Hier kommen dafür meine Top 10 Wildkräuter, die gleichzeitig mit die gängigsten Kräuter sind:

 

Giersch

Der Horror für jeden Gärtner. Den Giersch sollte man eindeutig identifizieren, denn er gehört zur Gattung der Doldenblütler und davon sind die meisten giftig. Es ist aber auch gar nicht so schwer ihn zu erkennen. Man merkt sich einfach die Zahl 3. Vom Hauptstängel gehen drei Nebenstängel, wobei am mittleren in der Regel 3 Blätter hängen. Aber wichtigsten ist der Blick auf den Stängel. Der Querschnitt bildet ein Dreieck. Die Kanten spürt man dabei ganz deutlich. Am liebsten sammel ich den ganz jungen Giersch, wo sich die Blätter noch nicht entfaltet haben. Den kann man nämlich super im Wildkräutersalat verwenden. Die etwas größeren Pflanzen kommen ins Pesto, in die Eierspeise oder in die Suppe. Auch der Green Smoothie liebt den Giersch.

Hier erkennt man (etwas unscharf) den dreieckigen Stängel vom Giersch.

Vom Hauptstängel gehen drei Verästelungen weg, die Blätter sind leicht gezackt.

Die jungen, noch nicht ganz aufgefalteten Blätter eignen sich für Salat besonders gut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gundelrebe

Ich finde sie sieht schöner aus als sie schmeckt, denn die Gundelrebe ist eher bitter und sollte daher wie ein Gewürz Verwendung finden, also sparsam. Aber sie macht sich toll als Deko, z.B. auf einem Kräuterdip. (Die Deko sollte allerdings auch immer den Inhalt wider spiegeln…). Bitter ist ja auch gut, denn die Bitterstoffe sorgen für eine gute Verdauung und für eine  Leber, die eine Top-Performance abliefert. Ihr findet die Gundelrebe an schattigen Plätzen und  auch oft im Garten. Sie kann da auch richtig lästig werden und rankt sich auch mal zwischen Nischen und Ritzen entlang. In einer Blumenwiese wächst die Gundelrebe auch, allerdings oft mit kleineren, zarteren Blättern. Die lila Blüten und die kleinen rund gezackten Blättchen sind aber wirklich hübsch.

Gundelrebe wächst auch im Garten und kann dort sogar lästig werden.

Die lila Blüten sehen hübsch aus und machen sich als Dekoration besonders gut.

In der Wiese findet man die Gundelrebe auch, allerdings oft kleiner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Löwenzahn

Okay, den erkennt wirklich jeder. Löwenzahn ist DAS Detoxkraut schlechthin, denn kein anderes Wildkraut unterstützt die Leber derart positiv bei ihrer Arbeit. Empfehlenswert finde ich, dass man vor allem die jungen Blätter sammelt. Das geht aber das ganze Jahr, denn auch wenn gemäht wird, wachsen wieder junge Blätter nach.

Ich bevorzuge die jungen Blätter. Nach jedem Mähen wachsen sie nach.

Löwenzahn wächst in nahezu jeder Blumenwiese. Es ist DAS Detoxkraut schlechthin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Knoblauchsrauke

Irgendwie habe ich mich in diese Pflanze verschossen, vielleicht weil man sie bei uns nicht so oft findet wie die anderen Pflanzen. Ich war mal in Oberbayern unterwegs und da wächst das Zeug wie blöd. Nur bei uns scheint sich dieses Kraut immer die Straßen- oder Wegesränder auszusuchen. Und hier sollte man wirklich nicht pflücken. Kaum geht man ein paar Meter weiter, ist sie auch schon wieder verschwunden. Die Blätter schmecken ganz fein nach Knoblauch. Viel feiner als Bärlauch, den ja auch nicht jeder verträgt. Allerdings verflüchtigt sich der Geschmack beim Kochen recht schnell. Daher entweder frisch verwenden oder erst ganz zum Schluss dazu geben. Man erkennt sie eigentlich recht leicht. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine Brennessel mit abgerundeten Zacken. In der Mitte bildet sich aber schon recht früh eine weiße Blüte. Man könnte sie vielleicht am ehesten mit einer Taubnessel verwechseln. Da hilft dann der Geruchs-Check: ein Blatt zwischen den Finger verreiben und der (wirklich feine) knoblauchartige Geruch macht sich breit.

Auf den ersten Blick sieht die Knoblauchsrauke wie Brennnessel aus.

 

Schafgarbe

Ui, die ist wirklich gar nicht so leicht zu finden, zumindest nicht auf den ersten Blick. Und vor allem dann nicht, wenn man die ganz jungen Zweigchen haben will. Sie sehen eigentlich ein bisschen nadelig aus, aber eben ganz, ganz fein. Man findet sie in der Wiese, meistens wenn man gerade Löwenzahn pflückt. Schafgarbe gehört nicht nur in die Gründonnerstagssuppe, sondern auch in jeden Wildkräutersalat. Sie galt lange Zeit als wichtige Heilpflanze.

Die jungen Blätter der Schafgarbe kommen in die Gründonnerstagssuppe.

In der Wiese muss man die Augen gut offen halten und sie zu finden.

Die Blätter erinnern an junge Nadeln, nur viel feiner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frauenmantel

Wieder ein so ein schönes Wildkraut, das seinen festen Platz in der Kräuterheilkunde hat. Und der Frauenmantel schmeckt auch noch gut, wenn er ganz klein ist. Kommt bei mir auch in Suppe oder Salat. Er ist ein kleines bisschen später dran, die einige andere Kräuter, daher findet man ihn oft nicht gleich auf Anhieb. Er wächst am liebsten in der Wiese und sieht wirklich aus wie ein Mantel oder eher wie ein Cape. Quasi eine modebewusste Pflanze.

Das Blatt erinnert an einen Mantel oder ein Cape.

Der Frauenmantel lässt sich auch im Garten kultivieren.

Frauenmantel ist nicht so weit verbreitet wie Löwenzahn

 

 

 

 

 

 

 

 

Bärlauch

Er gehört einfach dazu und ist sicherlich das populärste Wildkraut. Leider vertrage ich ihn nicht so gut. Das Erkennungsmerkmal und wichtigste Unterscheidungskriterium ist die Tatsache, dass jeder Stängel einzeln aus dem Boden heraus wächst. Darauf sollte ich neben dem Geruch unbedingt achten. Wenn man den Geruchstest mit dem zerriebenen Blatt durchführt, sollte man bedenken, dass u.U. schon die Finger nach Bärlauch riechen und man sich hier auch mal täuschen kann. Bärlauch eignet sich für Suppe, aber auch für Soßen und Pestos prima.

Bärlauch pflückt man am besten vor der Blüte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wiesenschaumkraut

Wenn im Frühjahr die Wiesen weiß mit einem leichten Fliederton blühen, dann ist das oft das Wiesenschaumkraut. Hier kann man die ganze Pflanze inklusive Blüte essen. Sie schmeckt etwas meerettichartig. Das sind die Senfölglycoside, die auch stark antibakterielle Wirkung haben. In der Küche lässt es sich entweder wie ein Gewürz verwenden (die feinen, kleinen Blättchen einfach abzupfen) oder auch als ganzes in der Suppe. Die Blüten sind natürlich eine mega-schöne Deko.

Für den Geschmack sorgen Senfölglycoside.

Die weißen Blüten sind im Frühjahr nicht zu übersehen.

Die gesamte Pflanze inklusive Blüten ist essbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitteres Schaumkraut

Eigentlich müsste an dieser Stelle die Brunnenkresse stehen. Da sie aber nur sehr saubere, fließende Gewässer bevorzugt, ist sie in letzter Zeit etwas rar geworden. In meiner Gegend finde ich sie kaum und gebe mich mit dem Doppelgänger, dem Bitteren Schaumkraut zufrieden. Der ist seinem Verwandten dem Wiesenschaumkraut gar nicht so unähnlich, nur mit größeren Blättern und einer richtig weißen Blüte. Das bittere Schaumkraut schmeckt wie Brunnenkresse und hat auch ähnliche USPs in Sachen Gesundheit. Es wächst auch am liebsten an kleinen Bächen. Dort findet man sie auch in der Gegend Parsch / Aigen. Je größer die Pflanze desto bitterer, daher pflückt man am besten vor der Blüte.

Der Geschmack erinnert an Kresse und intensiviert sich mit dem Wachstum.

Die Blüten sind weißer als beim zartlila Wiesenschaumkraut.

Ähnlich wie die Brunnenkresse werden fließende Gewässer bevorzugt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spitzwegerich

Den erkennt man auch ganz leicht und den gibt’s wirklich überall. Schmale, etwas steife Blätter, die senkrecht nach oben wachsen und ein markantes Rückenbild mit klaren Linien aufweisen. Auch hier gilt: junge Blätter in den Salat, ältere muss man kochen. Verwandt ist der Spitzwegerich mit dem Breitwegerich, der sich oft auch seinen Weg zwischen Pflastersteinen sucht.

Spitzwegerich findet man in fast jeder Blumenwiese.

Auch ein schöner Rücken kann entzücken.

Die schmale Form und die klaren Linien sind typisch.

 

 

 

 

 

 

 

 

GANZ WICHTIG:

Auch wenn ich Euch einen kurzen Abriss über ein paar Erkennungsmerkmale gegeben habe, so sammelt natürlich immer jeder auf eigene Verantwortung und Gefahr. Daher kann ich natürlich keinerlei Haftung für Eure Sammelkünste übernehmen. Aber wenn Ihr Lust habt, kann ich ja mal eine Kräuterwanderung mit Euch machen 😉

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